Alpensee mit Bergkulisse in Oberbayern

Die bayerischen Seen

Vom flachen Chiemsee bis zum 190 Meter tiefen Königssee: sieben Gewässer, ihre Herkunft und das, was sie unverwechselbar macht.

Foto: Cadu de Castro Alves / Unsplash

Kinder der Eiszeit

Fast alle großen Seen des bayerischen Alpenvorlands verdanken ihre Existenz den Gletschern der letzten Kaltzeit. Als die Eiszungen des Inn-, Isar- und Loisachgletschers vor rund 15.000 bis 20.000 Jahren weit ins Vorland reichten, schürften sie tiefe Zungenbecken aus und hinterließen Moränenwälle, die diese Becken später abriegelten. Als das Eis schmolz, füllten sich die Senken: Starnberger See, Ammersee und Chiemsee sind solche Zungenbeckenseen. Der Ammersee war unmittelbar nach der Eiszeit sogar deutlich größer als heute und reichte Dutzende Kilometer weiter nach Norden.

Die Seen in den Bergen selbst, etwa Königssee, Walchensee und Eibsee, liegen in Tälern und Becken, die ebenfalls vom Eis geformt wurden, aber steiler und tiefer eingeschnitten sind. Sie sind kalt, nährstoffarm und oft erstaunlich klar. Alle hier vorgestellten Seen liegen in Oberbayern.

Sieben Seen im Überblick

Die Werte stammen aus den Gewässerporträts der Wasserwirtschaftsämter und gängigen Nachschlagewerken; sie sind gerundet.

Fläche, maximale Tiefe und Höhenlage ausgewählter bayerischer Seen
SeeLage (Landkreis)FlächeMax. TiefeBesonderheit
ChiemseeRosenheim, Traunstein79,9 km²ca. 73 mGrößter See Bayerns; Herren- und Fraueninsel
Starnberger SeeStarnberg, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau56,4 km²ca. 128 mZweitgrößter See Bayerns, sehr wasserreich
AmmerseeLandsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongauca. 47 km²ca. 81 mDurchflossen von Ammer und Amper
WalchenseeBad Tölz-Wolfratshausen16,4 km²ca. 190 mEiner der tiefsten und größten Alpenseen Deutschlands; Speicher des Walchenseekraftwerks
TegernseeMiesbachca. 8,9 km²ca. 73 mAbfluss über die Mangfall zum Inn
KönigsseeBerchtesgadener Landca. 5,2 km²190 mFjordartig, im Nationalpark Berchtesgaden; nur Elektroboote
EibseeGarmisch-Partenkirchenca. 1,8 km²ca. 35 mBergsee am Fuß der Zugspitze mit acht kleinen Inseln

Hinweis: Flächen- und Tiefenangaben unterscheiden sich je nach Quelle und Messzeitpunkt leicht. Beim Walchensee geben amtliche Quellen 189,5 m an, gerundet 190 m.

Die Seen im Porträt

Jeder See hat seine eigene Geschichte – von Königsschlössern bis zu Turbinen.

Chiemsee

Fläche
79,9 km²
Max. Tiefe
ca. 73 m
Höhe
ca. 518 m
Abfluss
Alz

Das „Bayerische Meer“ liegt zwischen Rosenheim und Traunstein und ist mit knapp 80 Quadratkilometern der größte See des Freistaats. Hauptzufluss ist die Tiroler Achen aus dem Süden, der Abfluss, die Alz, verlässt den See im Norden und mündet in den Inn. Drei Inseln liegen im See: Die Herreninsel ist mit rund 238 Hektar die größte und trägt das Neue Schloss Herrenchiemsee, das König Ludwig II. ab 1878 nach dem Vorbild von Versailles errichten ließ und das nie fertiggestellt wurde. Auf der kleinen Fraueninsel leben Menschen seit über tausend Jahren rund um das Benediktinerinnenkloster Frauenwörth; die Krautinsel ist unbewohnt und diente im Mittelalter als Gemüsegarten.

Starnberger See

Fläche
56,4 km²
Max. Tiefe
ca. 128 m
Länge
ca. 20 km
Abfluss
Würm

Südwestlich von München erstreckt sich der Starnberger See rund 20 Kilometer von Nord nach Süd. Er ist nach dem Chiemsee der zweitgrößte See Bayerns, aufgrund seiner großen Tiefe aber der wasserreichste. Vor Feldafing liegt die Roseninsel, eine der ältesten Siedlungsstätten der Region. Am Ostufer bei Berg erinnern eine Votivkapelle und ein Holzkreuz im seichten Wasser an König Ludwig II., der hier 1886 unter bis heute ungeklärten Umständen starb. Der See hat nur kleine Zuflüsse und tauscht sein Wasser sehr langsam aus, was ihn empfindlich gegenüber Nährstoffeinträgen macht; sein einziger Abfluss ist die Würm im Norden.

Ammersee

Fläche
ca. 47 km²
Max. Tiefe
ca. 81 m
Länge
ca. 16 km
Durchfluss
Ammer → Amper

Der Ammersee liegt westlich des Starnberger Sees zwischen Herrsching und Dießen. Die Ammer bringt aus den Ammergauer Alpen den größten Teil des Wassers, verlässt den See bei Stegen im Norden unter dem Namen Amper und fließt der Isar zu. Weil der See so stark durchströmt wird, erneuert sich sein Wasser deutlich schneller als im Starnberger See. Über dem Ostufer thront auf einem Hügel das Kloster Andechs, einer der ältesten Wallfahrtsorte Bayerns. Direkt nach der Eiszeit reichte der Ammersee rund 37 Kilometer weit nach Norden; das heutige Ampermoos und das Dießener Moos sind verlandete Reste dieses Ur-Sees.

Tegernsee

Fläche
ca. 8,9 km²
Max. Tiefe
ca. 73 m
Länge
ca. 6,5 km
Abfluss
Mangfall

Eingebettet zwischen Wallberg, Hirschberg und Neureuth liegt der Tegernsee im Landkreis Miesbach. An seinen Ufern liegen die Orte Tegernsee, Gmund, Bad Wiessee, Rottach-Egern und Kreuth. Sein einziger Abfluss, die Mangfall, verlässt den See bei Gmund und erreicht bei Rosenheim den Inn; aus dem Mangfalltal bezieht München einen großen Teil seines Trinkwassers. Die Geschichte der Region ist eng mit dem Kloster Tegernsee verbunden, das im 8. Jahrhundert gegründet wurde – der Name „tegarin seo“ taucht erstmals im 8. Jahrhundert in Urkunden auf. Nach der Eiszeit lag der Wasserspiegel rund 15 Meter höher, und der See war etwa doppelt so groß.

Königssee

Fläche
ca. 5,2 km²
Max. Tiefe
190 m
Länge
ca. 7,7 km
Höhe
ca. 603 m

Kein See in Bayern wirkt so sehr wie ein Fjord: Der Königssee bei Schönau im Berchtesgadener Land liegt eingeklemmt zwischen dem Watzmann im Westen und dem Hagengebirge im Osten. Über 190 Meter tief und fast acht Kilometer lang, gilt er als einer der saubersten Seen Deutschlands – er ist nährstoffarm, hat Trinkwasserqualität, und seit 1909 fahren auf ihm ausschließlich Elektroboote. Auf der Halbinsel Hirschau steht die Wallfahrtskirche St. Bartholomä, deren heutiger Bau 1698 einen Vorgänger aus dem 12. Jahrhundert ersetzte. Am Südende schließt sich hinter einem Moränenwall der kleinere Obersee an. Der See liegt vollständig im Nationalpark Berchtesgaden.

Walchensee

Fläche
16,4 km²
Max. Tiefe
ca. 190 m
Höhe
ca. 801 m
Volumen
ca. 1,3 km³

Mit rund 801 Metern Höhe, über 16 Quadratkilometern Fläche und fast 190 Metern Tiefe ist der Walchensee zugleich einer der größten und einer der tiefsten Alpenseen Deutschlands. Sein türkisgrünes Wasser und die Lage zwischen Herzogstand, Jochberg und Karwendelvorbergen machen ihn zu einem der meistfotografierten Seen Bayerns. Technisch ist er ein Speicher: Seit 1924 nutzt das Walchenseekraftwerk das Gefälle von knapp 200 Metern zum tiefer gelegenen Kochelsee. Dafür wird dem Walchensee über Stollen Wasser aus Isar und Rißbach zugeleitet; der Seespiegel schwankt deshalb im Jahresverlauf um mehrere Meter. Das Kraftwerk zählt bis heute zu den großen Speicherkraftwerken Deutschlands.

Eibsee

Fläche
ca. 1,8 km²
Max. Tiefe
ca. 35 m
Inseln
8
Höhe
ca. 970 m

Rund neun Kilometer südwestlich von Garmisch-Partenkirchen und nur dreieinhalb Kilometer nördlich des Zugspitzgipfels liegt der Eibsee in der Gemeinde Grainau. Der Hauptsee, der sogenannte Weitsee, umfasst etwa 172 Hektar; dazu kommt der abgetrennte kleine Untersee. Acht kleine Inseln, je nach Zählung auch neun, sowie Buchten und Felsblöcke gliedern das Ufer – Spuren eines gewaltigen Bergsturzes, der das Becken vor Jahrtausenden formte. Ein Uferweg führt um den gesamten See. Von der Südseite blickt man direkt auf die Nordabstürze der Zugspitze, an deren Fuß die Talstation der Seilbahn Zugspitze liegt.

Baden, Bootfahren, Rücksicht

Die meisten Voralpenseen sind im Sommer beliebte Badegewässer mit guter Wasserqualität. An den Bergseen gilt anderes: Der Königssee ist Teil des Nationalparks, der Eibsee Privatbesitz mit ausgewiesenen Badestellen. Uferzonen mit Schilf oder Verlandungsbereichen sind oft als Naturschutzgebiet ausgewiesen und dürfen nicht betreten werden.

Wer paddelt oder segelt, hält Abstand zu Schilfgürteln und brütenden Wasservögeln. Und wer in Bergseen schwimmt, sollte wissen: Selbst im Hochsommer bleibt das Wasser in der Tiefe nur wenige Grad warm.

Königssee mit grünem Wasser zwischen steilen Felswänden
Foto: Dirk Houstoun / Unsplash