Alpenpanorama mit See im Vordergrund

Sicherheit am Berg

Die meisten Unfälle beginnen lange vor dem Sturz: bei der Planung, beim Wetterblick, bei der Entscheidung weiterzugehen.

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Warum die Berge anders sind

Mit jedem Höhenmeter wird die Luft dünner und kälter – im Mittel um etwa 0,6 bis 1 Grad pro hundert Meter. Was im Tal ein lauer Sommerabend ist, kann am Gipfel ein Wind mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt sein. Wetterumschwünge kommen schneller, Gewitter bauen sich an Sommernachmittagen über den Bergen auf, und Nebel kann in Minuten die Orientierung nehmen. Dazu kommt das Gelände: Ein verstauchter Knöchel, der im Park ärgerlich wäre, wird zwei Stunden oberhalb der nächsten Straße zu einem Rettungseinsatz.

Gute Nachricht: Das meiste davon ist planbar. Diese Seite fasst zusammen, was Alpenverein, Bergwacht und Wetterdienst seit Jahrzehnten empfehlen.

Wetter in den Alpen

Drei Phänomene, die man kennen sollte, bevor man losgeht.

Wärmegewitter am Nachmittag

An schwülen Sommertagen heizt die Sonne die Hänge auf, feuchte Luft steigt auf und türmt sich bis zum Mittag zu Quellwolken. Wachsen diese zu Türmen mit ambossförmigem Dach, steht ein Gewitter bevor – meist zwischen frühem Nachmittag und Abend. Konsequenz: früh starten, den Gipfel vor Mittag erreichen, Grate und exponierte Stellen rechtzeitig verlassen.

Fronten und Nordstau

Zieht eine Kaltfront heran, kann es in den Alpen innerhalb weniger Stunden von Sonne zu Dauerregen und im Hochsommer oberhalb von etwa 2.000 Metern zu Schneefall kommen. Bei Nordwestlagen stauen sich die Wolken an der Alpennordseite, der Regen kann tagelang anhalten. Die Wettervorhersage für den Alpenraum am Vorabend und am Morgen ist deshalb Pflicht, nicht Kür.

Föhn

Fällt warme, trockene Luft über den Alpenhauptkamm nach Norden, herrscht Föhn: ungewöhnlich klare Sicht, warme Temperaturen, aber stürmische Böen auf Graten und Gipfeln. Föhn geht oft einer Wetterverschlechterung voraus. Auf den Seen des Voralpenlandes kann er plötzlich Starkwind bringen, was Segler und Paddler kennen sollten.

Bei Gewitter: Gipfel, Grate, Gipfelkreuze, Drahtseile und einzelne Bäume meiden. Wenn möglich absteigen, in eine Mulde kauern, Beine zusammen, Metallgegenstände ablegen. Nicht unter Felsvorsprünge an der Kante stellen, Abstand zu Wänden halten. Höhlen nur, wenn sie tief sind.

Tourenplanung

Eine Tour beginnt am Schreibtisch. Fünf Fragen reichen für die Grundplanung: Wie lang ist die Tour in Kilometern und Höhenmetern? Welche Schwierigkeit hat der Weg laut Wegweiser und Karte (blau, rot, schwarz)? Wie ist das Wetter – heute, morgen und am Nachmittag? Wer ist dabei und wie fit ist das schwächste Mitglied der Gruppe? Und: Wo sind die Umkehrpunkte und Alternativen, wenn etwas nicht passt?

Der Deutsche Alpenverein stellt dafür mit dem BergwanderCheck eine einfache Selbstprüfung bereit. Wer die geplante Route, Startzeit und voraussichtliche Rückkehr jemandem zu Hause oder dem Hüttenwirt mitteilt, verkürzt im Notfall die Suche erheblich. Und wer zu Bahnen und Hütten ihre Betriebszeiten kennt, vermeidet unfreiwillige Nachtabstiege.

Wanderer auf einem Bergpfad mit Blick auf Alpengipfel
Foto: Robert Katzki / Unsplash

Ausrüstungsgrundsätze

Keine Produkte, nur Prinzipien. Was zählt, ist die Funktion.

Schuhe mit Profil und Halt

Knöchelhohe Wanderschuhe oder Trekkingstiefel mit griffiger Sohle sind ab blauen Wegen sinnvoll, ab roten Wegen Pflicht. Eingelaufen, nicht neu.

Zwiebelprinzip

Mehrere dünne Schichten statt einer dicken: Funktionsunterwäsche, Isolationsschicht, Wind- und Regenschutz. Mütze und Handschuhe wiegen fast nichts und gehören auch im Sommer in den Rucksack.

Orientierung

Topografische Karte (Alpenvereinskarten im Maßstab 1:25.000) oder eine Offline-Karte auf dem Telefon, dazu die Fähigkeit, sie zu lesen. Akkus entladen sich in Kälte schneller – Reserveakku mitnehmen.

Notfallausrüstung

Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Stirnlampe, Signalpfeife und ein geladenes Mobiltelefon mit gespeicherter Notrufnummer. Ein Biwaksack kann bei Verletzungen über Stunden den Unterschied machen.

Verpflegung

Mindestens ein bis anderthalb Liter Wasser pro Person, an heißen Tagen mehr; Riegel, Brot, Trockenfrüchte. Quellwasser ist oberhalb von Almen meist trinkbar, unterhalb nicht ohne Weiteres.

Sonnenschutz

Die UV-Strahlung steigt mit der Höhe deutlich an und wird von Schnee und hellem Fels reflektiert. Sonnenbrille, Kopfbedeckung und Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor sind in der Höhe keine Eitelkeit.

Notruf

112

Europaweit, kostenlos, auch ohne Guthaben und über jedes verfügbare Netz. In Bayern erreicht man über 112 die Integrierte Leitstelle, die Bergwacht und Rettungshubschrauber alarmiert.

Verhalten bei Unfällen

Ruhe bewahren, Überblick gewinnen, dann handeln.

Die fünf W des Notrufs

  1. Wo ist es passiert? Berg, Weg, Höhe, markante Punkte, Koordinaten aus dem Telefon.
  2. Was ist passiert? Sturz, Herzproblem, Verirrt, Blockiert.
  3. Wie viele Personen sind betroffen?
  4. Welche Verletzungen oder Beschwerden?
  5. Warten auf Rückfragen – nicht auflegen, Telefon erreichbar halten.

Dazu: Wetter und Sicht am Unfallort melden, damit die Leitstelle entscheiden kann, ob ein Hubschrauber fliegen kann.

Das alpine Notsignal

Ohne Netz hilft das international vereinbarte alpine Notsignal: sechs Zeichen pro Minute – Rufen, Pfeifen, Lichtblitze oder Winken mit einem auffälligen Kleidungsstück – dann eine Minute Pause, dann wiederholen, so lange, bis Antwort kommt. Die Antwort lautet drei Zeichen pro Minute, ebenfalls mit einer Minute Pause. Wer ein Signal hört oder sieht, antwortet und alarmiert die Rettung.

Bei herannahendem Hubschrauber: beide Arme nach oben (Y) heißt „Ja, wir brauchen Hilfe“, ein Arm oben, einer unten (N) heißt „Nein, keine Hilfe nötig“. Lose Gegenstände sichern, Rücken zum Rotorwind, nicht auf den Hubschrauber zugehen.

Erste Hilfe am Berg

Eigensicherung zuerst: Niemandem ist geholfen, wenn der Helfer ebenfalls stürzt. Dann Verletzte aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich bringen, soweit möglich. Blutungen stillen, Betroffene vor Kälte schützen (Rettungsdecke, Rucksack als Unterlage, Jacke), beruhigen und nicht allein lassen. Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, bei Atemstillstand Wiederbelebung. Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung: nicht bewegen, außer bei akuter Gefahr.

Bergwacht Bayern

Die Bergwacht Bayern ist Teil des Bayerischen Roten Kreuzes. Ihre Wurzeln reichen bis 1920 zurück, als Alpenvereinssektionen in München eine „Sitten- und Naturschutzwacht“ gründeten. Heute leisten rund 4.200 ehrenamtliche Bergretterinnen und Bergretter in über 100 Bereitschaften jährlich etwa 12.000 Einsätze – bei Wander- und Kletterunfällen, Lawinen, Suchaktionen und zunehmend auch bei Mountainbike- und Gleitschirmunfällen. Ausgebildet wird im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung in Gaißach bei Bad Tölz, wo unter anderem Hubschrauber-Rettungsszenarien in einer Halle simuliert werden. Die Rettung selbst ist für Verletzte in Bayern in der Regel über die Krankenversicherung abgedeckt; die Suche nach Vermissten oder Unverletzten kann kostenpflichtig sein.