Bergsee mit Gipfel im Hintergrund – Wandern in den bayerischen Alpen

Wandern in den bayerischen Alpen

Von der Klamm bis zum Gipfelkreuz: Grundlagen, Schwierigkeitsgrade und sechs Touren zwischen Garmisch und Berchtesgaden.

Foto: Robert Katzki / Unsplash

Gut geplant ist halb gegangen

Bergwandern unterscheidet sich vom Spaziergang im Flachland durch drei Dinge: Höhenmeter, Gelände und Wetter. Tausend Höhenmeter im Aufstieg bedeuten für geübte Wanderer etwa drei Stunden reine Gehzeit, der Abstieg dauert kaum weniger und belastet Knie und Konzentration stärker. Eine gängige Faustregel rechnet mit 300 bis 400 Höhenmetern pro Stunde im Aufstieg und vier Kilometern Horizontaldistanz pro Stunde; der größere der beiden Werte plus die Hälfte des kleineren ergibt die Gehzeit.

Dazu kommen Pausen, Einkehr und eine Reserve für Unvorhergesehenes. Wer um sieben Uhr startet, hat am Nachmittag Spielraum, wenn Wolken aufziehen. Wer um elf startet, hat ihn meist nicht. Mehr zu Wetter und Notfällen steht auf der Seite Sicherheit am Berg.

Die Schwierigkeitsskala des Alpenvereins

Wegweiser in den bayerischen Alpen tragen einen farbigen Punkt. Er sagt, was der Weg verlangt – bei normalen Verhältnissen.

Talweg

Wanderweg im Tal

Breite, gut ausgebaute Wege ohne Absturzgefahr, meist nicht vom Alpenverein betreut. Turnschuhe reichen, Orientierung ist einfach. Entspricht der Stufe T1 der Schweizer SAC-Skala.

Blau – einfacher Bergweg

Blauer Punkt

Überwiegend schmal, teils steil, aber ohne absturzgefährliche Passagen. Etwas Trittsicherheit und Trekkingschuhe werden empfohlen, grundlegende Orientierung genügt. Entspricht T2.

Rot – mittelschwerer Bergweg

Roter Punkt

Schmal, oft steil, mit einzelnen absturzgefährlichen Stellen. Kurze versicherte Passagen, etwa Drahtseile, können vorkommen. Gute Trittsicherheit, Trekkingstiefel und alpine Grunderfahrung sind nötig; die Hände werden gelegentlich zum Gleichgewicht gebraucht. Entspricht T3.

Schwarz – schwerer Bergweg

Schwarzer Punkt

Schmal, steil und absturzgefährlich. Gesicherte Abschnitte und leichte Kletterstellen, die den Einsatz der Hände verlangen, sind häufig. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung, dazu Bergerfahrung und sichere Orientierung. Entspricht T4 bis T6; einige dieser Wege werden als „Alpine Route“ bezeichnet.

Wichtig: Die Einstufung gilt für trockene Sommerverhältnisse. Nässe, Altschnee oder Nebel können einen blauen Weg schnell zu einem roten machen – und einen roten zu einem Problem.

Sechs Wanderungen

Von leicht bis anspruchsvoll, von Garmisch-Partenkirchen bis ins Berchtesgadener Land. Zeit- und Höhenangaben sind gerundete Richtwerte.

Partnachklamm

Talweg / leicht
Ausgangspunkt
Olympia-Skistadion, Garmisch-Partenkirchen
Länge der Klamm
ca. 700 m
Höhenmeter
kaum
Dauer
ca. 1 bis 1,5 Std. hin und zurück

Die Partnach hat sich im Reintal eine bis über 80 Meter tiefe Schlucht in den Fels gegraben. Seit 1912 ist die Klamm touristisch erschlossen und zugleich als Naturdenkmal geschützt. Vom Olympia-Skistadion in Partenkirchen führt ein Fahrweg in rund 20 Minuten zum Eingang; der Pfad durch die Klamm verläuft stets rechts des Wassers, durch Tunnel und an tropfenden Felswänden entlang, ohne nennenswerte Steigung. Ein 108 Meter langer Tunnel umgeht die Stelle eines Felssturzes von 1991. Die Klamm ist ganzjährig geöffnet, wird aber bei Schneeschmelze oder Hochwasser kurzfristig gesperrt. Für den Durchgang wird ein Eintritt erhoben; Regenjacke oder Kapuze sind sinnvoll, Taschenlampe nicht nötig.

Herzogstand (1.731 m)

Blau – einfacher Bergweg
Ausgangspunkt
Walchensee, Talstation Herzogstandbahn (ca. 800 m)
Höhenmeter
ca. 900 Hm
Dauer
ca. 2,5 Std. Aufstieg
Bahn
Herzogstandbahn bis 1.627 m

Der Herzogstand gehört zu den klassischen Aussichtsbergen der bayerischen Voralpen: Von oben liegen Walchensee und Kochelsee gleichzeitig zu Füßen, dahinter öffnet sich das Panorama von Karwendel und Wetterstein bis zum Alpenvorland. Der kürzeste Anstieg (Alpenvereinsweg 446) beginnt an der Talstation der Seilbahn im Ort Walchensee und erreicht über das Herzogstandhaus (1.575 m) in rund zweieinhalb Stunden den Gipfel; alternativ führt der historische Reitweg vom Kesselbergpass hinauf. Wer die Herzogstandbahn nutzt, steigt vom Fahrenbergkopf in etwa 20 bis 30 Minuten zum Gipfelpavillon. Der Gratweg weiter zum Heimgarten (1.790 m) ist ausgesetzter, aber gut gesichert und wird als mittelschwer eingestuft.

Wank (1.780 m)

Blau – einfacher Bergweg
Ausgangspunkt
Partenkirchen, Talstation Wankbahn (ca. 740 m)
Höhenmeter
ca. 1.050 Hm
Dauer
ca. 3 bis 3,5 Std. Aufstieg
Hütte
Wankhaus (DAV), 1911 erbaut

Der Wank ist der Sonnenberg von Garmisch-Partenkirchen und der beste Logenplatz gegenüber dem Wettersteingebirge: Von oben zeigt sich die gesamte Zugspitz-Nordseite mit Alpspitze, Waxenstein und Kramer, im Süden ragt das Karwendel auf. Mehrere Wege führen hinauf, darunter der Anstieg entlang der Seilbahn vom Partenkirchner Ortsrand und die Variante über die Esterbergalm von Farchant. Alle sind technisch einfach, aber lang; die rund tausend Höhenmeter wollen gegangen werden. Die Wankbahn verkehrt seit 1928 und erlaubt eine bequeme Kombination aus Aufstieg zu Fuß und Talfahrt. Am Gipfel steht das Wankhaus, 1911 von der Alpenvereinssektion Garmisch-Partenkirchen erbaut und fast ganzjährig bewirtschaftet.

Wendelstein (1.838 m)

Rot – mittelschwerer Bergweg
Ausgangspunkt
Bayrischzell-Osterhofen, Talstation Seilbahn (ca. 800 m)
Höhenmeter
ca. 1.000 Hm
Dauer
ca. 3 Std. Aufstieg
Bahnen
Zahnradbahn ab Brannenburg (seit 1912), Seilbahn ab Osterhofen

Der Wendelstein im Mangfallgebirge ist ein Berg der Superlative in Miniatur: Die 1912 von Otto von Steinbeis erbaute Zahnradbahn ist die älteste noch betriebene Bergbahn Bayerns, das 1890 geweihte Wendelsteinkircherl gilt als höchstgelegene Kirche Deutschlands, und seit 1939 arbeitet knapp unter dem Gipfel ein Sonnenobservatorium der Universität München. Zu Fuß erreicht man das Gipfelplateau von Osterhofen in etwa drei Stunden über Wiesen, Wald und zuletzt felsiges Gelände. Vom Bahnhofsplateau führt ein befestigter Weg mit Stufen und Kehren in rund 20 Minuten zum Gipfelkreuz; er ist im Winter gesperrt. An schönen Wochenenden ist der Berg sehr gut besucht – frühes Aufstehen lohnt sich.

Jenner (1.874 m)

Rot – mittelschwerer Bergweg
Ausgangspunkt
Schönau am Königssee, Talstation Jennerbahn (ca. 630 m)
Höhenmeter
ca. 1.250 Hm
Dauer
ca. 3,5 bis 4 Std. Aufstieg
Bahn
Jennerbahn bis 1.800 m

Kaum ein anderer Gipfel bietet einen so direkten Blick auf den Königssee: Vom Jenner-Gipfelkreuz fällt der Blick rund 1.200 Meter hinunter auf das grüne Wasser und auf St. Bartholomä, gegenüber steht der Watzmann. Der Jenner gehört zum Göllmassiv in den Berchtesgadener Alpen und liegt am Rand des Nationalparks. Der Aufstieg von Schönau zieht sich lang über Almen und Waldwege; wer die 2019 erneuerte Jennerbahn nutzt, erreicht von der Bergstation (1.800 m) auf einem gesicherten Steig in etwa 20 Minuten den Gipfel. Von dort lassen sich Touren zum Schneibsteinhaus (ca. 30 Minuten) und zum Carl-von-Stahl-Haus an der österreichischen Grenze (ca. 40 Minuten) anschließen; weiter geht es für Erfahrene auf Schneibstein, Hohes Brett und Hoher Göll.

Kehlstein (1.879 m) und Kehlsteinhaus

Blau – einfacher Bergweg / Straße
Ausgangspunkt
Obersalzberg, Parkplatz Hintereck (ca. 970 m)
Höhenmeter
ca. 900 Hm
Dauer
ca. 3 Std. Aufstieg
Kehlsteinstraße
6,5 km, bis 24 % Steigung

Das Kehlsteinhaus wurde 1937/38 nach Plänen von Roderich Fick für die NSDAP errichtet; die 6,5 Kilometer lange Kehlsteinstraße mit fünf Tunneln entstand in nur 13 Monaten. Heute ist der Ort zugleich Aussichtspunkt mit Blick auf Königssee, Watzmann und Salzburger Land und ein Ort der Geschichte: Unten am Obersalzberg informiert seit 1999 die „Dokumentation Obersalzberg“ über die NS-Vergangenheit des ehemaligen Führersperrgebiets. Zu Fuß steigt man vom Hintereck über den Ofnerboden (1.150 m) und die Dalsenwinkelstraße zur Buswendeplatte (1.696 m) auf; von dort führt ein Fußweg zum Haus und zum Gipfel. Die Straße ist für Privatfahrzeuge gesperrt; im Sommer verkehren Linienbusse. Wer die Historie des Ortes ernst nimmt, verbindet die Tour mit dem Besuch der Dokumentation.

Wanderweg durch alpine Landschaft mit Bergen im Hintergrund
Foto: Tim Dennert / Unsplash

Was in jeden Rucksack gehört

Keine Markenliste, sondern Grundsätze: festes Schuhwerk mit Profil, Regen- und Windschutz, eine warme Schicht auch im Sommer, Sonnenschutz, ausreichend Wasser, etwas zu essen, Karte oder Offline-Karte auf dem Telefon, ein kleines Erste-Hilfe-Set, Stirnlampe und ein geladenes Mobiltelefon. Teleskopstöcke entlasten im Abstieg die Knie.

Ebenso wichtig wie der Inhalt des Rucksacks ist, was man zu Hause lässt: Zeitdruck. Wer sich am Berg eine Umkehr offenhält, kommt sicherer zurück.

Zur Sicherheit am Berg